Ein Traum ist in Erfüllung gegangen

Ein Traum ist in Erfüllung gegangen

Wir sind Mitte September ins Bremer Blockland gezogen, mit Blick aufs Naturschutzgebiet und den kleinen Fluss Wümme. Wir wohnen damit nun auch ganz in der Nähe des „Ackerglücks“, unserem Gemüseanbau, mit dem wir gemeinsam mit Freunden nun in der dritten Saison unsere Erfahrungen machen.
Damit hat sich für uns ein Traum erfüllt!

Das Gesetz des Anfangs?

Als wir vor 9 Jahren von Wuppertal aus ein Heim in Bremen suchten, haben wir uns für eine Woche in einer Ferienwohnung im Bremer Blockland eingemietet, um stressfrei mit den damals noch recht kleinen Kindern Wohnungen und Häuser zu besichtigen. Schon damals waren wir fasziniert von diesem stadtnahen Landleben. Es war Februar und wir schlidderten über die vereisten Wiesen und genossen den weiten unbebauten Blick.
Ich weiß allerdings auch noch wie weit entfernt von Schule und Arbeit mir dieser Platz damals vorkam und wie uns damals schon sehr klar gesagt wurde: „Im Blockland wird niemals was frei.“

Wer Stauraum hat….

Nachdem ich in der Ferienwohnung zu Stephan sagte: „Eigentlich brauchen wir nicht mehr als wir hier mit haben: Kleidung, ein paar Spiele und Bücher.“, fanden wir ein schönes Haus zur Miete mit einem ganz besonderen, etwas verwunschenen Garten in Bremen-Schwachhausen, das – zu unserem Verhängnis – vollständig unterkellert war.
Denn wer Stauraum hat, nutzt ihn auch. Oder zumindest wir. 😉
Während unseres jetzigen Umzugs verbrachten wir also sehr viel Zeit damit, unser Hab und Gut zu entfrachten. Vieles schenkten wir dem sogenannten Sozialkaufhaus, einiges brachten wir zum Sperrmüll und unsere Tochter Emilia übernahm das Verkaufen der uns kostbaren Kinderbetten und Holzspielsachen bei Ebay Kleinanzeigen.

Loslassen

Wir wurden immer radikaler im Loslassen, vor allem Emilia war besonders gut darin und erinnerte uns immer wieder daran: „Wir wollen es doch loswerden!!“
Wir wurden reich belohnt, in dem wir uns immer befreiter fühlten und das Leben schenkte uns an den richtigen Stellen die richtigen Menschen. So fuhr ich mein altes Kinder-Bauernbett zu einer Frau ohne Auto, die mich mit den Worten begrüßte „Genau so eines hatte ich auch als Kind.“ Außerdem sah ich ihren süßen Zweijährigen, der künftig darin schlafen würde und konnte plötzlich gut Abschied nehmen. A propos Abschied nehmen. Im Prozess des Loslassens halfen mir zwei Empfehlungen der „Aufräumpäpstin“ Marie Kondo. Zum einen rät sie, sich nochmals bei den Dingen zu bedanken, die man entsorgt. Das machte es mir tatsächlich sehr viel leichter – so konnte ich mich noch einmal in Dankbarkeit mit den Dingen verbinden. Zum anderen empfiehlt sie, bei Sachen, bei denen wir unsicher sind oder es uns schwer fällt, die Frage zu stellen, ob uns der Gegenstand glücklich macht. Das hilft vor allem bei den Dingen, die wir aus unserer Konditionierung heraus behalten, z.B. „Geschenke darf man nicht wegtun!“ Ich habe Marie Kondos Fragen um eine ganz pragmatische ergänzt. „Wo genau wird es im neuen Zuhause stehen, liegen oder hängen?“ Wenn die Antwort darauf „Keller“ war und es sich nicht um Zeltsachen, Koffer oder ähnliches handelte, sanken die Chancen des Gegenstandes auf einen Platz in der Umzugskiste.
Ich war überrascht, was wir tatsächlich alles loslassen konnten!

Rituale erleichtern Übergänge

Überhaupt habe ich diesen Umzug nicht einfach als eine zu erledigende Sache empfunden, sondern ihn ganz bewusst als das wahrgenommen, was er tatsächlich ist. Ein krasser Prozess der Reinigung, des Abschiednehmens, der Neu(er)findung – ja, der Wandlung.
Da wir ihn auch als Familie so bewusst durchlebt haben, hatten wir eines Nachmittags das Bedürfnis, ein Ritual für das Haus, das wir verließen, zu machen.
Dabei rekapitulierten wir, was wir alles darin erlebt haben. Besondere Feiern, Besuche von Freunden und Familie, Kindergeburtstage, den ganz normalen Alltag, amoChange Groups, unsere Katzen, die Abende in „my private vegan restaurant“,Tanzpartys, das große Fredrick Vahle Konzert und und und…
Wir wurden plötzlich traurig und merkten: auch wenn die Entscheidung für etwas Neues sehr klar und voller Vorfreude ist, kann gleichzeitig auch Traurigkeit in uns sein.
Es tat gut, das Haus, den Garten und alles, was es uns und was wir ihm geschenkt haben, noch einmal zu würdigen. Wir hatten in den letzten Monaten vor allem den Augenmerk auf das gerichtet, was uns alles störte und hatten es auch tatsächlich vernachlässigt. Jetzt wussten wir es wieder zu schätzen!
Ernstgemeinte Rituale sind schon eine feine Sache! Sie ermöglichen uns echte Abschiede und damit auch echte Neuanfänge.

Kleine Krisen

Wenn es zwischenzeitlich eine Durststrecke gab oder der Flow tatsächlich auch mal ernsthaft unterbrochen war, half es mir, nochmal zu unserem zukünftigen Wohnort zu radeln und mir vor Augen zu führen, wofür wir diesen Aufwand betrieben. Daran erinnerte mich unser Sohn Richard zwischenzeitlich, der voller Vorfreude immer mal wieder ins Haus wollte. Und glücklicherweise ermahnten mich Freundinnen am Telefon, über meinen „Ich muss das alleine schaffen“ Schatten zu springen und andere um Hilfe zu bitten. (Danke dafür!)
Bis auf diese kleinen Krisen stand mir körperlich so viel Energie zur Verfügung wie schon lange nicht mehr. Ich war sehr überrascht, dass ich zeitweise 16 Stunden am Stück körperlich arbeiten konnte und mein Körper erst dann eine ernsthafte Pause verlangte. Ich dankte es ihm, mit einer täglichen ausgiebigen Fußmassage und einem tatsächlichen kleinen Dankesritual vor dem Schlafengehen.

Verhaltensänderung für die Zukunft?

Und so sind wir nun also nach einem glatt gelaufenen Umzug dabei, unsere übrig gebliebenen Dinge aus Umzugskisten in unser neues frisch renoviertes Zuhause zu räumen. Eine neue Chance auf dauerhafte Ordnung und Einfachheit. Mir ist auch bewusst geworden, dass das Aufräumen, Reinigen und Putzen nicht nur für uns persönliche Klarheit schafft, sondern auch „ins Feld“ wirkt und z.B. das Umfeld ansteckt.
Gerade weil wir nun sehr viel Zeit für das Entfrachten aufwenden durften und mussten und uns bewusst wurde wie viel Energie Besitz binden kann, werden wir zukünftig (noch) sehr viel achtsamer sein bei Neuanschaffungen: Brauchen wir das wirklich? Macht es uns glücklich? Und eben ganz pragmatisch „Wo kommt es hin?“ Das zumindest möchte ich als Erkenntnis mit hinüberretten in unseren Familienalltag.

Dankbarkeit

Wenn ich nun also am Herd stehe und mit Blick auf die Wümme das Mittagessen vorbereite und unsere Kinder strahlend von ihrem wirklich langen Radweg aus der Schule kommen, dann bin ich einfach nur dankbar, glücklich und zufrieden.
Ich genieße das Glück, über das uns das Leben hat stolpern lassen.
Ach ja, wie sind wir denn nun überhaupt an eine Wohnmöglichkeit im Blockland gekommen, wo dort doch „niemals was frei wird“? Das ist eine andere Geschichte und vielleicht erzähle ich sie demnächst auf diesem Kanal….

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